Recycling-Pionier seit 35 Jahren
Schoeller Allibert vertraut seit langem der Wiederverwertung von Kunststoffen - und den Maschinen von KraussMaffei

In Flaschen, Folien oder Automobilteilen: Kunststoffe werden in allen Formen wiederverwertet, und seit einigen Jahren hat das Thema Kreislaufwirtschaft massiv an Bedeutung gewonnen. Die niederländische Firma Schoeller Allibert, Spezialist für Mehrweg-Logistikverpackungen, engagiert sich hier schon lange. Sie nutzt seit den 1980er Jahren Rezyklat – und profitiert nun vom Wissensvorsprung.

Text Petra Rehmet  Fotos KraussMaffei

Jeder hat sie schon gesehen: die grünen Obstkisten im Supermarkt. Kaum jemand weiß allerdings, dass sie Teil eines durchdachten Umlaufkonzeptes namens Ifco sind. Der (nach eigenen Angaben) weltweit größte Anbieter von Mehrwegsystemen liefert die Klappboxen an Lebensmittelerzeuger, von dort kommen sie zum Einzelhändler, werden wieder abgeholt, gereinigt und desinfiziert, und der Kreislauf beginnt von neuem. Die Kisten sollen im robusten Alltagsgebrauch so lange wie möglich halten – und hier kommt Schoeller Allibert ins Spiel, wo man seit über 62 Jahren qualitativ hochwertige Mehrwegtransportverpackungen für verschiedenste Branchen produziert.

Ein wertvoller Beitrag zur Ressourcenschonung:
Ein wertvoller Beitrag zur Ressourcenschonung:
Die Produkte von Schoeller Allibert sind extrem langlebig und auf Robustheit ausgelegt.

Nachhaltigkeit ist dabei ein zentrales Motiv, was bedeutet, dass beschädigte Boxen und Palletten als Sekundärrohstoff wiederverwertet werden. Schon heute enthalten die Artikel im Durchschnitt 25 Prozent Rezyklat und in Zukunft sollen es 40 Prozent sein. Bis 2050 will das Unternehmen aus Hoofddorp (bei Amsterdam) mit seinen weltweit 12 Fertigungsstätten und 21 Vertriebsstandorten komplett klimaneutral fertigen.

"Wir werden so in unserem Bereich wesentlich zur Dekarbonisierung beitragen und sind gerne Vorreiter, um die Erde zu schützen."
Ludo Gielen, CEO Schoeller Allibert

Damit die Gemüsekisten, Industrieboxen und Bierkästen auch möglichst umweltschonend hergestellt werden, bedarf es Maschinen mit geringem Energieverbrauch und ebenfalls großer Langlebigkeit. Seit etwa 30 Jahren ist hier KraussMaffei an Bord, und inzwischen hat man sich so gut aufeinander eingeschwungen, dass es beim Team um Key Account Manager Thomas Strecker beispielsweise reicht, ohne genaue Spezifikation zu sagen: "Wir brauchen eine Maschine für Lebensmittel-Boxen.“ Schoeller Allibert wiederum schätzt die „innige Zusammenarbeit auf Augenhöhe", wie es Johan Kooistra, Executive Director Operations, formuliert. Grund dafür sind vor allem die hervorragenden Technologien, die hohe Verfügbarkeit und der schnelle, zuverlässige Service vor Ort.

Ein eingespieltes Team:
Ein eingespieltes Team:
Johan Kooistra (Executive Director Operations Schoeller Allibert), Thomas Strecker (Key Account Manager KraussMaffei) und Ludo Gielen (CEO Schoeller Allibert) optimieren kontinuierlich die Produktion (v.l.).

Besonders die GX- und die MX-Baureihen sind für große Logistik- und Verpackungslösungen prädestiniert, weil sie wirtschaftliche Effizienz und Nachhaltigkeit vereinen. Sie verarbeiten bis zu 100 Prozent Rezyklat und bieten durch die BluePower Technologie niedrige Energieverbräuche bei schnellen Zykluszeiten. Dank bestechender Schussgewichtskonstanz reduziert sich auch der Ausschuss.

Mehrwegbehälter mit langer Lebensdauer

Sinnvoll gestaltete Mehrwegbehälter aus Kunststoff helfen dabei, leicht verderbliche Güter zu schützen: Obst beispielsweise hat etwa 50 Prozent weniger Druckstellen, wenn es auf diese Art transportiert wird, wodurch weniger faulige Ware aussortiert werden muss. Aber auch in der Automobilindustrie wurden die bisher verwendeten Metall-Gitterboxen mittlerweile fast vollständig durch FLCs (foldable large containers) aus Kunststoff ersetzt. Diese Boxen haben einen entscheidenden ergonomischen Vorteil: Dank einer Klapptür in der Seitenwand ist es für den Monteur viel einfacher, beispielsweise bei niedrigem Füllstand Teile zu entnehmen, anstatt sich tief in die meist starre Metallbox hineinbücken zu müssen.

Für Ludo Gielen,
Für Ludo Gielen,
CEO von Schoeller Allibert ist Umweltschutz ein Herzensanliegen.

Hinzu kommt, dass sich die modernen Gebinde aus Kunststoff nach Gebrauch von 80 Zentimetern Höhe auf nur 29 Zentimetern reduzieren und dann stapeln und effizienter transportieren lassen. Ein Standard-LKW beispielsweise kann mit bis zu 66 vollen Magnum Optimum® 1208 Containern von Schoeller Allibert im Vergleich zu 64 Gitterboxen befüllt werden. Weil Schoeller Allibert darauf abzielt, den Transport so effizient wie möglich zu gestalten, mit einem klaren Fokus auf die Dekarbonisierung und die Senkung des allgemeinen CO2-Fußabdrucks, haben sie ihre Lösung faltbar gemacht wenn sie leer ist. Gefaltet steigt die Anzahl der leeren Magnum Optimum Behälter® auf 297, die Anzahl der leeren Gitterboxen bleibt bei 64.

Was man gerne unterschätzt, ist die lange Lebensdauer dieser Logistikartikel. Getränkekästen von Schoeller Allibert sind für eine Laufzeit von mehr als 10 Jahren ausgelegt, und das obwohl sie nicht pfleglich behandelt werden, sondern im Freien bei Regen und UV-Bestrahlung lagern. Vormals gebräuchliche Holzkisten gehen da deutlich schneller in die Knie.

Minimaler Energie- und Materialverbrauch

Für Johan Kooistra liegt die Herausforderung bei einem Projekt immer darin, das Minimum und das Maximum zu finden, beispielsweise das Maximum an Inhalt, Haltbarkeit oder Benutzerfreundlichkeit bei einem Minimum an Energie- oder Materialverbrauch. Beides ist nötig um den geringsten CO2-Footprint zu erzeugen. Besonders gut wird die Ökobilanz von Kunststoffbehältern, wenn man einen hohen Anteil an rezykliertem Material verwendet. Bereits seit Mitte der 1980er Jahre verfügt Schoeller Allibert über eigene Mühlen, die ausgemusterte Kisten wieder zu Rohmaterial zerkleinern. Zusätzlich kauft man entsprechende Sorten zu. Palletten, die die Firma verlassen, bestehen zu 100 Prozent aus diesem post-industrial recycelten Material. Bei anderen Produkten ist der Anteil unterschiedlich hoch, wobei alle Artikel dafür geeignet sind mit Rezyklat gefertigt zu werden.  

Auch bei Boxen, die direkten Kontakt mit Lebensmitteln haben, gibt es Materialtypen, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassen sind. Das letzte Wort hat natürlich der Kunde. „Noch vor zehn Jahren interessierte sich kaum jemand für den Einsatz von Recycling-Rohstoffen, weil es viel einfacher und billiger war, Neuware zu kaufen. Inzwischen wechselt es hin und her, was gerade günstiger ist, und zum rein finanziellen Aspekt sind ökologische Gesichtspunkte gekommen. Im PET-Bereich beispielsweise haben viele Unternehmen schon auf Flaschen auf rPET umgestellt“, erklärt Ludo Gielen.

Künftig werden regulatorische Vorschriften steigende Anteile an wiederverwertetem Material (bei Schoeller Allibert PP und PE) verlangen, und es wird eine Herausforderung sein, genug davon zu bekommen. Durch langjährige Partnerbeziehungen hat der Mehrwegspezialist keine Versorgungsengpässe, aber aktuell ist der Preis um 50 Prozent höher als noch vor wenigen Monaten. Da dies für Kunden eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt, gibt es auch die Möglichkeit, Groß-Verpackungen zu mieten. Alle sind mit einer sogenannten Smartlink®-Kennzeichnung ausgestattet, über die man etwa den Ort abprüfen und anhand der Erkenntnisse seine Lieferkette optimieren kann.

Ein Maschineschwergewicht
Ein Maschineschwergewicht
fertigt die begehrten Big Boxes, die in der Industrie zunehmend die Gitterboxen aus Metall ablösen.

Neues Schneckendesign für optimale Rezyklat-Verarbeitung

Um bei hohen Rezyklatanteilen eine gute Materialdurchmischung zu gewährleisten, sollte das Schneckendesign darauf ausgelegt sein. Die HP-Schnecke (High-Perfomance) von KraussMaffei bietet schon jetzt beste Voraussetzungen – aber man kann auch sehr gutes noch besser machen. So entwickelte das Projektteam von KraussMaffei eine Spezialversion der Antriebseinheit für den Kunden.

Aktuell betreibt Schoeller Allibert rund 50 Maschinen der MX und GX-Baureihe von KraussMaffei im Schließkraftbereich von 6500 bis 40.000 kN. Sonderausführungen umfassen eine Zwei-Farben-Maschine und Anlagen für Wasserinnendruck-Spritzgießen. In Kombination mit Qualitäts-Werkzeugen erreicht Schoeller Allibert extrem niedrige Ausschussraten. Aktuell werden zwei neue Maschinen in die USA geliefert. Für Johan Kooistra liegt der dortige Markt, was Recycling betrifft, noch etwas hinter Europa zurück, weil Pfand- und Logistiksysteme hierzulande ausgereifter sind. Aber sicher wird auch in Nordamerika die Wiederverwertung Fahrt aufnehmen, denn die Vorteile sind offenkundig.

Schoeller Allibert betreibt derzeit
Schoeller Allibert betreibt derzeit
50 Maschinen der MX- und GX-Baureihen mit Schließkräften von 6500 bis 40.000 kN.

Wenn Behälter wie Getränkekisten 10 Jahre halten und dann vier bis fünf Mal zermahlen und eingeschmolzen werden können, bedeutet dies, dass man mit der Anschaffung heute auf mehrere Jahrzehnte seinen Materialbedarf sichert. Einwegprodukte hingegen landen auf der Deponie. Bei den großen Online-Versendern, die durch die Corona-Pandemie enorm an Auftrieb gewonnen haben, sind Transportbehälter, weil im geschützten Innenraum der Hochregallager unterwegs, theoretisch sogar unbegrenzt haltbar. Weniger als 0,1 Prozent der Kisten brechen hier während der veranschlagten Lebensdauer.  

Ludo Gielen erwartet in den nächsten drei bis fünf Jahren eine deutliche Entwicklung weg vom Einweg-Behältnis hin zur rezyklierbaren Mehrweg-Kunststoffverpackung: "In den vergangenen 25 Jahren haben wir den Boden bereitet, und in den nächsten 25 Jahren wird der Durchbruch in der Kreislaufwirtschaft kommen. Wir freuen uns, dass wir dazu beitragen können, unseren Kindern den Planeten besser zu hinterlassen."

Kontakt

Thomas Strecker
thomas.strecker@kraussmaffei.com

Head of Global Expert Sales Packaging and Logistics Industry