REHAU und KraussMaffei zusammen auf Kurs 4.0
Digitale Kooperation

50 Jahre Produktsicherheit – zum Beispiel für die Fußbodenheizung: Wer sich so als Premiumanbieter etablieren will, braucht eine Fertigung mit vollständiger Transparenz und dafür kompetente Partner. Deshalb betreiben die REHAU AG + Co und KraussMaffei seit einem Jahr eine Entwicklungskooperation mit Kurs auf Industrie 4.0.

Text Petra Rehmet  Fotos Rehau

Die Keimzelle dafür bildete der DataXplorer, ein hochauflösendes Datenerfassungstool von KraussMaffei. Nach der Präsentation zur K 2016 nahm REHAU das allererste Kunden-System in seinem Werk Viechtach 5 in Betrieb. Hier entsteht in Millionenstückzahlen ein Produkt, das technisch anspruchsvoll und durch eine umfassende 100 -Prozent-Online-Prüfung bestens überwacht ist: Schiebehülsen und Anschlussstücke (sogenannte Fittings) für Rohrleitungen aus vernetztem Polyethylen (PE-Xa) mit dem Markennamen Rautitan. Die Komplett-Systeme werden meist an später schwer zugänglichen Stellen, wie Fußbodenheizungen oder Wasserleitungen verbaut und müssen 50 Jahre unter Druck, bei wechselnden Temperaturen und mit teils aggressiven Medien funktionieren. Die konkrete Nutzungsperspektive für den DataXplorer ist klar: nach gründlicher Validierung der Produktion den Kontrollaufwand durch "predictive quality“ zu reduzieren.

Vollautomatisiert und durchgetaktet
Vollautomatisiert und durchgetaktet
Bei der Produktion der Rautitan-Komponenten erfolgen nur Materialzuführung und Teileentnahme durch den Menschen.

Zwei Technologieführer

Die REHAU-Gruppe ist mit ihren Unternehmensbereichen Automotive (Tier 1), Bau und Industrie in allen Segmenten der Kunststoffverarbeitung tätig: Spritzgießen, Extrusion, Reaktionstechnik. Die KraussMaffei Gruppe wiederum liefert als einziger Anbieter weltweit Maschinen für diese sehr unterschiedlichen Technologien – da liegt es nahe auch grundsätzlicher zusammenzuarbeiten, etwa in Bezug auf digitale Chancen. Der DataXplorer läuft derzeit als Pilot auf einer CX-Maschine mit MC6-Steuerung, die Rautitan-Artikel in Zollmaßen für den US-Markt fertigt. Hier zeichnet er bis zu 500 Signale als kontinuierliche Kurvenverläufe auf und gestattet mit seiner extrem hohen Auflösung von 5 ms einen einzigartigen Blick in die Tiefe von Prozess und Hardware. Dabei lassen sich Standardparameter wie Einspritzzeit und -druck erfassen, aber auch Sondersignale wie der Werkzeuginnendruck. Pro Signal und Zyklus wird jeweils eine Datei gebildet, die bis zu sieben Tage lang an der Maschine abrufbar ist und für Austausch oder Weiterverarbeitung in ein globales Datenformat umgewandelt wird. Klaus Klement, Head of Smart Production bei REHAU, ist begeistert: „Ich kenne keine andere hochauflösende Schnittstelle und wir wollen den DataXplorer so schnell wie möglich auch auf unseren weiteren Maschinen mit MC5-Steuerung einsetzen.“ Das Datenerfassungstool als eine Art 4.0-Keimzelle für den Spritzguss löste bei REHAU – vom obersten Management mit forciert – vielfältige Entwicklungen im Bereich Smart Production aus; inzwischen verfügt Klaus Klement sogar über ein eigenes Data Lab mit fünf Mitarbeitern. Smart Production ist, wie Smart Products und Smart Services, Teil der Smart-REHAU-Offensive, mit der das Unternehmen über alle Divisionen die Digitalisierung seines Leistungsangebots vorantreibt.

Ziel: Autonomes System

Beim Leuchtturmprojekt Viechtach 5 steht nun an, alle Auffälligkeiten zu validieren, die sich in einer Produktion auch innerhalb der Toleranzen ereignen. So kann man mit dem DataXplorer beispielsweise die Massedruckkurven von bis zu 10.000 Zyklen übereinander legen und verfolgen, ob es Ausreißer gibt. Oder die Höhe des Massedrucks zu definierten Zeitpunkten im Zyklus analysieren. Wo sich ungewöhnliche Werte zeigen, kann das Bauteil dann der genauen Vermessung bis hin zur zerstörenden Prüfung unterzogen werden. Im ersten Step geht es um die bloße Visualisierung von Anomalien. Sind diese transparent gemacht und bewertet, soll eine Alarmfunktion (Alerting) folgen, falls eine Kurve auffällig wird. Eine Art Assistenzsystem könnte dem Bedienpersonal dann Maßnahmen zur Abhilfe vorgeben oder diese selbst einleiten, am Ende stünde ein autonomes, sich selbst optimierendes, System. Das Ziel ist klar und die Voraussetzungen sind geschaffen. Klaus Klement bewertet deshalb das Jahr "seit wir mit dem DataXplorer angefangen haben, als ausgesprochen positiv.“

Kontakt

Dr. Stefan Kruppa
stefan.kruppa@kraussmaffei.com

Leiter Maschinentechnologie