Hochpräzise Kalibrierung auf 8,30 Meter Breite
Ein Glättwerk für superbreite Folien

Die spanische Sotrafa S.A. stellt unter anderem Geomembranen her, großflächige Folienprodukte für anspruchsvolle Anwendungen. Den dafür nötigen Dimensionen entspricht ein Glättwerk, das KraussMaffei Berstorff gebaut hat – das bisher größte in der Unternehmensgeschichte.

Text Andreas Weseler  Fotos KraussMaffei Berstorff, IstockPhoto

Die spanische Provinz Almería nimmt für sich in Anspruch, über die weltweit größte Anbaufläche der Welt unter Folie zu verfügen. Insgesamt sind rund 36.000 Hektar mit Plastik überzogen, überwiegend in Form von Gewächshäusern. Die Region versorgt so ganzjährig einen großen Teil Europas mit frischem Gemüse.

Sotrafa produziert mehrschichtige Folien für unterschiedliche Anwendungen

Da überrascht es nicht, dass auch ein großer Folienhersteller seinen Sitz in dieser Region, in der Stadt El Ejido, hat: die Sotrafa S.A., eine Gesellschaft der Grupo Armando Alvarez. Die Gruppe ist Spaniens größter Folienverarbeiter mit einem Gruppenumsatz von fast 700 Millionen Euro. Die Tochter Sotrafa produziert allerdings nicht nur Gewächshausfolien. Ein weiteres wichtiges Standbein sind Geomembranen, zumeist mehrschichtige Folien für großflächige Anwendungen. Eingesetzt werden Geomembranen beispielsweise zur Abdichtung von Deponien, um – nicht selten aggressives – Sicker­wasser aufzufangen und abzuleiten. Sie dienen auch zur Anlage von künstlichen Gewässern wie Löschteichen oder Regenauffangbecken. Und in der Landwirtschaft werden sie zum Ab­decken von Feldern benutzt, um zum einen die Verdunstung zu verringern und zum anderen die gezielte Bewässerung von Pflanzen zu ermöglichen.

"Speziell für die Herstellung solcher Membranen hat KraussMaffei Berstorff eine Ex­trusionsanlage mit einem Glättwerk gebaut, das sich durch seine ungewöhn­lichen Dimensionen auszeichnet"
Hilmar ­Heithorst, Leiter Geschäftsbereich Schaum-, Folien- und Plattenextrusions­anlagen bei KraussMaffei Berstorff

Extrusionsanlage mit Glättwerk in XXL-Baugröße

„Mit der Ballenbreite von 8,3 m wird das Glättwerk das größte sein, das KraussMaffei Berstorff bisher gebaut hat. Und wohl auch das schwerste: Jede der drei Walzen wiegt gut 30 Tonnen“, so Heithorst weiter. An die Konstruktion stellen die hohen Gewichte spezielle Anforderungen. Die Herausforderung liegt darin, die Walzen trotz der überdurchschnittlichen Breite mit einer hohen Biegesteifigkeit zu versehen. Diese ist nötig, um ein optimales Dickenprofil der Folie zu gewährleisten.

Die Lösung: Die üblichen Kühlwendeln werden durch periphere Bohrungen über die gesamte Ballenlänge knapp unterhalb der Walzenoberfläche ersetzt. Selbst bei einem Durchmesser von 20 Millimetern erfordert das Bohren dieser Kühlkanäle höchste Präzision, damit sie nicht verlaufen und die Walze sicher und gleichmäßig gekühlt wird.

In-line-Compounding und Formgebung in einem Arbeitsschritt

Das Glättwerk ist Teil einer Anlage, auf der mehrschichtige HDPE-Folien hergestellt werden. Sie bestehen aus einer Mittelschicht aus Recyclat mit Füllstoffen, einer Oberschicht aus HDPE mit UV-Stabilisator und Farbe sowie einer Unterschicht ebenfalls aus HDPE. In die Ober- und Unterschichten werden noch Additive eingemischt, um sie besser mit der mittleren Bahn verschweißen zu können. Zur Extrusion dieser Schichten sind dem Glättwerk drei Zweischneckenextruder mit einer Gesamtleistung von 3.700 kg pro Stunde vorgeschaltet. Die Anlage ist ausgelegt auf Foliendicken von 0,75 bis 3 Millimeter, auf Netto-Folienbreiten von maximal 7,5 Metern und die genannte Rollenbreite von 8,3 Metern. Mit Hilfe der Zweischnecken-Technologie werden alle Rohstoffe in-line compoundiert. Die In-line-Compoundierung erlaubt es, die Produktionskosten insgesamt zu optimieren. Im Einzelnen tragen dazu bei:

  • die Verwendung kostengünstigerer ­Rohstoffe an Stelle fertiger Compounds,
  • geringere Rohstoffkosten durch voll­ständige Wiedereinarbeitung von Anfahrprodukten, Randstreifen und Stanzgittern,
  • hohe Durchsätze,
  • günstigere Betriebskosten dank eines geringeren Bedarfs an Energie, Betriebsmitteln und Wartung,
  • eine größere Flexibilität und die Möglichkeit, kurzfristiger zu fertigen, speziell bei Sonder­rezepturen, und
  • niedrigere Produktionskosten von Rezepturen mit größeren Mengen an Zuschlag­stoffen.

  Das Glättwerk kalibriert die extrudierten Folien, um danach je nach Materialart und -stärke weiter abgekühlt, laminiert, besäumt und aufgewickelt zu werden. „Mit dieser Anlage zeigen wir, was mit Glättwerken von KraussMaffei Berstorff wirklich möglich ist. Sie ist für uns ein echtes Referenzobjekt“, sagt Heithorst. Der Produktionsstart ist für den Oktober 2017 geplant.

Ihr Ansprechpartner

Hilmar Heithorst
hilmar.heithorst@kraussmaffei.com

Leiter Geschäftsbereich Schaum-, Folien-  und Plattenextrusionsanlagen

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